Vortrag Filmakademie Wien: „KI“-Dramaturgie
Im Rahmen der Tagung des deutschsprachigen Netzwerk Drehbuchforschung »KRITIK DER DRAMATURGIE«
am 2. und 3.Okt 2026 in der Filmakademie Wien sprechen Gabriele C. Sindler und Tobias Frühmorgen zum Thema:
Der letzte heiße Hype:
Warum „KI“-Dramaturgie trotz rasanter Entwicklungssprünge, leidenschaftlichem Selbstbetrug und raffinierter Werbung (noch?) zum Scheitern verurteilt ist
Aus klassisch-dramaturgischer, „KI“-wissenschaftlicher und Drehbuch-politischer Praxis reflektieren Gabriele C. Sindler und Tobias Frühmorgen an vergleichenden Beispielen ein modernes Heilsversprechen.
THESE: Entgegen rosiger Werbe-Versprechen taugt (bislang?) kaum ein „KI“-Drehbuch-Analyse-Angebot als Basis für grundlegende Weiterentwicklung von Storys oder deren professionellen, künstlerischen Dramatisierung. Trotz – und zuweilen gerade wegen – des beeindruckend rasanten technischen Fortschritts und attraktiver Analyse-Ergebnisse werden „KI“ beeinflusste Drehbücher und auf deren Grundlage realisierte Werke in den kommenden Jahren Qualität und damit auch Publikum verlieren. Denn von immer mehr Entscheidungsträger*innen werden bezahlte, zuweilen sogar vermeintlich kostenfreie Angebote genutzt zum Abschieben von Verantwortung, aber auch für kurzfristige – in Wahrheit kurzsichtige – Einsparungen von Drehbuch- und Dramaturgie-Profis. Ohne tiefes, professionelles, menschliches Drehbuch-Verständnis, -Wissen und -Können verstärkt der Einsatz von „KI“ in diesem Bereich vorhandene Probleme und Missstände, anstatt sie zu lösen.
BELEG anhand vergleichender Beispiele
Wir haben in Entwicklung befindliche, von erfahrenen europäischen und afrikanischen Dramaturg*innen begleitete Drehbücher als methodisch bereinigte Datensätze mittels LLMs nach allgemeinen und spezifischen Kriterien befragt und ausgewertet. Darunter ein österreichisch-nigerianisches, weiblich dominiertes Kinofilm-Drehbuch.
Untersucht und benannt werden Gemeinsamkeiten, Unterschiede sowie Fehler bei der Identifikation und Interpretation von Inhalt, Charakteren, Themen, Motiven, Genre und Erzählstruktur. Unser Hauptinteresse gilt der Qualität der Identifikation von Problemen und Defiziten von DREHBÜCHERN in ENTWICKLUNG. Denn damit und nicht mit gedrehten Filmen oder gar Meisterwerken haben es Dramaturg*innen bei der Begleitung von Kreativteams zu tun.
Dieser kritisch unterhaltsame Beitrag über das Zusammenwirken zwischen Mensch und „KI“ benennt Herausforderungen und Grenzen der Integration von (immer noch?) männlich, weiß, westlich, Mittelstands dominierten LLMs in die kritische, thematische, narrative Drehbuchanalyse – insbesondere am Beispiel eines weiblich, afrikanisch, Unterschicht dominierten Kinofilmstoffs.
Gabriele C. Sindler
gcs@dfkfilms.com | www.dfkfilms.com
Story- und Script Consultant, Drehbuchautorin, COO der DFK FILMS GmbH und des auf Drehbuch und Dramaturgie spezialisierten dfk*script*service.
Gabriele und ihr Team, arbeiten mittlerweile in 2. Generation mit der *40-Story-Steps-Methode sowohl für aktuelle Filmprojekte als auch in der Lehre. Ihre Analyse-Methode basiert auf praktischen Erfahrungen in Produktion, Verleih und Weltvertrieb, sowie der Begegnung und Zusammenarbeit mit František „Frank“ Daniel und der Umkehrung von Paul Schraders Story- und Drehbuch-Entwicklungsarbeit.
Gabriele ist Vorstandsmitglied des Deutschen Drehbuchverbands, erfahrene Gastdozentin an Filmschulen und in Master Classes sowie Jurymitglied in Europa und Afrika (FFA / EURIMAGE / Filmfestivals). Sie studierte Politikwissenschaft, Drehbuch und Dramaturgie an der Freien Universität Berlin und der Deutschen Drehbuchakademie (dffb). Aktuell arbeitet sie als Autorin bzw. Dramaturgin mit drei unterschiedlichen Kreativteams an geförderten Kinofilmprojekten.
Tobias Frühmorgen
tobias.fruhmorgen@filmeu.eu
Universität Lusófona / FilmEU / Filmuniversität Babelsberg
Tobias Frühmorgen ist Filmdozent, Forscher und Filmemacher. An der Universität Lusófona in Lissabon und der FilmEU University unterrichtet er Projektentwicklung in Bachelor- und Masterstudiengängen sowie im EU-Master „KinoEyes“ und im EU-Bachelor. Er ist an mehreren von der EU bzw. im Rahmen von „Horizon“ finanzierten Forschungsprojekten beteiligt, darunter filmterm, future.film.education, ReSTART, C-Accelerate, Cyanotypes, Crescine, RIT und Wire. Tobias betreut internationale Filmprojekte und koordinierte eine gemeinsame Forschungsinitiative zu GenAI. Er arbeitet zudem als Drehbuchanalyst, ist zertifizierter Green Consultant, leitet gemeinsam einen Nachhaltigkeitskurs an der Lusófona-Universität und ist Mitglied des CILECT-Ausschusses für Nachhaltigkeit. Derzeit schließt er seine wissenschaftlich-künstlerische Promotion zum Thema KI und Drehbuchschreiben an der Filmhochschule Babelsberg ab.
Zeit & Ort
2. & 3. Oktober 2026, jeweils 09:00 Uhr
Arthouse-Kino
Anton-von-Webern-Platz 1
1030 Wien
Eintritt frei!
Anmeldung
via E-Mail an Pipi Fröstl
froestl@mdw.ac.at






YOL – Tam Versiyon (2017, Altyazılı)

